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Arbeiten mit Selbstabwertungen

Abwertungen sind die prominenteste Form der Verneinung. Die Aufmerksamkeit für Hinweise, aus denen sich ablesen lässt, dass der Klient sich selbst abwertet („Da war ich wieder doof.“ oder subtiler: „Ich möchte unbedingt sicherer werden, damit dieses Rumgestotter in Meetings endlich aufhört.“) ist sowieso durchgängige Aktivität des Beraters. Konkret geht es dann darum, die beiden Selbstrepräsentanzen des Klienten herauszuarbeiten: „Ich möchte mich verändern!“. Wer ist das „Ich“, welches mit der Absicht unterwegs ist, das „Mich“ zu verändern? Klienten ist die verdeckte Selbstabwertung in Veränderungsabsichten meist nicht bewusst. Sind diese beiden Seiten identifiziert und im Erleben ausdifferenziert, muss der abgewertete Teil die Entdeckung machen, dass er sich dieser Abwertung nicht hilflos ausliefern muss. Und der abwertende Teil muss entdecken, welche inneren Motive ihn zu diesem Umgang mit dem Alter Ego veranlassen. Diese Entdeckungen lassen sich nur machen, wenn beide Seiten mit der Haltung „Was ist, darf sein!“ erforscht werden. Beide Seiten brauchen die Empathie, das Verstehen, die Resonanz, das Wahrgenommensein vom Berater. Diese Allparteilichkeit oder – wie in der Tiefenpsychologie formuliert – die Neutralität des Beraters ist unabdingbar. Gibt man der Versuchung nach, die abwertende Repräsentanz als die schlechte und die abgewertete als die gute zu begreifen, droht der Berater nur den Spieß umzudrehen: Statt der einen wird nun die andere Repräsentanz abgewertet. Damit ist nichts gewonnen – im Gegenteil.



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