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Eine komplexe Welt braucht differenzierte Beratung - besonders wenn es um Veränderung geht. Rezepte, Best-Practises und einfache Lösungen erzeugen zwar schnell Schein-Sicherheit, lassen aber zu oft den spezifischen Kontext und die Dynamik einer Situation außer Acht.

Die hier vorgestellte Veränderungstheorie und -praxis möchte dagegen vor allem eines: Einen sicheren Umgang mit Unsicherheit ermöglichen (statt nach Sicherheiten zu suchen). Sie fokussiert auf ein Verständnis der je vorhandenen Selbstorganisation und macht sich einen prozesshaften Blick auf die Welt zunutze.

Als Orientierung für den Berater dienen sogenannte Leitprozesse, die im Coaching, bei Teamentwicklungen oder in der Organisationsberatung veränderungsrelevant sind. Sie alle lassen sich im interaktiven Metatheorie-Tool explorieren und individuell entdecken.

Was bedeutet Metatheorie?

Meta kommt aus dem Griechischen und bedeutet „nach, über“. Eine Metatheorie der Veränderung beschäftigt sich also mit Theorien, wie Veränderung zu denken, zu befördern und zu verhindern ist. Sie analysiert andere Theorien, stellt sie in einen Zusammenhang und gibt Beratern und Kunden damit Orientierung für deren Arbeit. Natürlich kann niemand das komplette Wissen, das in eine solche Metatheorie einfließen sollte, aufnehmen, integrieren und verarbeiten. Daher bleibt das Entwickeln einer Metatheorie immer Stückwerk - und muss mit der Verneigung vor all den Gedanken und Denkern enden, auf deren Arbeit man aufbaut und mit einer Abbitte an all die, deren Theorie man nicht verarbeitet hat.

Warum müssen wir über Veränderung nachdenken?

Im praktischen Umgang mit Veränderungen übergeht man schnell grundlegende Fragen. Zum Beispiel: Was ist der Gegenbegriff zu Veränderung? Stillstand? Stabilität? Schlechte Veränderung? Falsche Veränderung? Frieden? Ruhe? Stille? Passivität? Widerstand? Evolution? Was passiert, wenn nichts getan wird? Verändert sich dann nichts? Warum nicht? Was passiert, wenn das Falsche getan wird? Verändert sich dann etwas? Wie kommt es, dass aus "guten" Motiven "böse" Wirkungen erwachsen? Warum können "böse" Taten "Gutes" bewirken? Überhaupt – wer bzw. welche inneren Strebungen möchten, dass sich etwas verändert und wer hat etwas dagegen? Warum gibt es Stagnation, wenn doch sowieso alles im Fluss ist? Wie kommt es, dass man überhaupt glaubt in der Psyche, in Teams oder Organisationen, etwas verändern zu können? Und: Woran misst man eigentlich Veränderung? Solange diese Fragen nicht geklärt sind, kann man als Berater das eigene Handeln nur schwer begründen.

Welches Rüstzeug benötigen Berater?

Im Kern verkauft Beratung Veränderungen: Die Kunden sind unzufrieden oder erfolgsarm und wollen irgendwohin, wo sie zufriedener oder erfolgreicher sind (oder glauben es sein zu können). Dabei soll ihnen Beratung helfen. Viele Changemanagement-, Führungs-, Gruppendynamik- und Psychotherapietheorien haben nun Ideen, wie sie das befördern können: „Mach dies und du wirst das erreichen!“ Doch als Berater, Managementtrainer, Teamentwickler, Coach oder Psychotherapeut sollte man auch grundsätzlich etwas von der Dynamik von Veränderungsprozessen und deren Ambivalenz verstehen. Dieser zunächst so simple Gedanke steht im auffälligen Kontrast dazu, dass in vielen Beratungsansätzen nicht sehr viel über Veränderung an sich reflektiert wird. Viel zu oft ist sie stattdessen eine Art selbstverständlicher Hintergrund: Veränderung gibt es, es ist gut sie zu befördern und man zeigt oder formuliert wie es geht. Die Metatheorie will hier eine zusätzliche, grundlegende Perspektive anbieten.

Welche Theorieansätze nutzen wir?

Grundlage der Metatheorie ist eine Vielzahl vornehmlich prozessorientierter Theorien. Diese sind insbesondere mit Namen von Wissenschaftlern und Praktikern wie Niklas Luhmann, Peter Fuchs, Georg Picht, Martin Heidegger, Martin Buber, Karl Weick, A.N. Withehead, Fritz Perls, Eric Berne, Leslie Greenberg, Otto Kernberg, Klaus Grawe, Fritz Simon, Rudi Wimmer, Wolfgang Looss, Frank Staemmler und Werner Bock verknüpft. Unsere Theoriegrundlage spannt damit einen Bogen von der Philosophie über verschiedene Psychologierichtungen bis hin zur soziologischen System- und Organisationstheorie. Den praktischen Hintergrund bilden die Auswertungen der langjährigen psychotherapeutischen Arbeit und des Executive-Coaching, viele Change-Projekte und Teamentwicklungen in Unternehmen sowie die Ausbildungsarbeit bei Hephaistos, Coaching-Zentrum München.

Wozu dient unser neuer Ansatz?

Wir sind in unserer heutigen Welt mit vielschichtigen Veränderungen konfrontiert. Um sie angemessen begleiten und steuern zu können, brauchen wir ein neues Denken. Denn mit einfach linearen, kausalen und rationalen Herangehensweisen lassen sich Selbststeuerung, effektive Teamarbeit sowie funktionale Führung von Organisationen und größeren gesellschaftlichen Systemen nicht befördern. Daher halten wir einen Musterwechsel" in der Art wie wir denken (und handeln) für erforderlich. 

Noch allerdings ist der Beratermarkt hochgradig zersplittert und die Überzeugungen, was wirksam ist, ebenso. Das war unser Ansporn, bereits vorhandene Theoriebildungen in einer Metatheorie schlüssig aufzugreifen oder auch begründet abzulehnen. Nur mit Hilfe eines solchen Rahmens können wir als Berater dazu beitragen anspruchsvolle Veränderungsprojekte so zu analysieren und so zu begleiten, dass die jeweils wirksamsten Ansatzpunkte für nachhaltigen Change gewählt werden können.

Der offene Zugang zu einer Metatheorie der Veränderung soll helfen, diese Perspektive in die Diskussion um zukunftsfähige Beratung einzubringen - und vielleicht sogar einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Veränderung zu stimulieren.