Du bist hier: Start

Zirkulär

Neben einer linearen Kausalität lassen sich Phänomene meist auch zirkulär erklären: Weil die Produktion immer mit dem Budget trickst, ist der Finanzbereich stark kontrollierend; weil der Finanzbereich so stark kontrolliert, bildet die Produktion Schattenbudgets. In der Organisationskommunikation werden allerdings auf dem anderen Erklärungspol nur endlose wechselseitige Schuldzuschreibungen gemacht.
Zirkuläre Erklärungen können linear-kausale Konfliktstabilität unterbrechen. Wenn man sich darauf verständigen kann, dass alle Seiten zu Erhalt und Weiterführung des Konflikts in der Vergangenheit beigetragen haben, dann kann man sich von der Vergangenheit (=Konfliktsystem) lösen und das Kommunikationsmuster für die Zukunft neu gestalten. Dafür braucht es zeitgleiche Selbstreflexion auf beiden Seiten. Oft ist dies eine der wichtigsten Leistungen, die Konfliktmoderation erbringen kann.
Wenn allerdings zirkuläre Erklärungen dazu führen, dass sich die Konfliktparteien in innere Anklageprozesse begeben („Jetzt bin ich doch tatsächlich an allem Schuld!“), dann verlagert dies die ungünstige Form des Konflikts von außen ins Innen. Dies erschwert meist wegen passiver Aggression und Rückzug die Konfliktbearbeitung. So ist wenig gewonnen, manchmal verschlechtert sich die Lage sogar für die Partei, die gelingende Selbstreflexion mit dysfunktionaler Selbstabwertung paart. Leider ist dies nicht eben selten.