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Zeitdimension von Sinn

Vergangenheit und Zukunft sind für psychische wie soziale Systeme nützliche und notwendige Mittel der Auswahl von Sinn.

Bei der Frage, was besonders prägende oder wichtige Ereignisse im Leben des Menschen oder der Geschichte des Teams/Organisation waren, braucht es die Vergangenheit. Sie wird benutzt um wahlweise Abitur und Eheschließung oder Produktlaunch und Rekordzahlen zu markieren: Das System erzeugt seine (!) Geschichte. Mit einer solchen Geschichte entsteht Identität in der Gegenwart und es werden künftige Möglichkeiten legitimiert.

Zukunft wird genutzt, um Pläne und Ziele zu wählen, die wiederum die Gegenwart verändern. Auch die Vergangenheit ändert sich mit auftauchenden Zukunftsplänen („Hätte ich doch früher angefangen Spanisch zu lernen, wo ich es im nächsten Urlaub so gut brauchen könnte“).

Die Unterscheidung vorher / nachher führt einerseits zur Erfahrung von Irreversibilität („Die Chance ist vorbei!“), andererseits zur Erfahrung von Gleichbleibendem („Mein Bett steht auch heute Abend an der gleichen Stelle“).  Die Sinndimension Zeit schafft Ereignisse wie Beständiges. Psychische wie soziale Systeme spannen sich selbst genau in diesen beiden Blickwinkel auf: In der Möglichkeit etwas zu „Verdauern“ und in der Erfahrung der Vergänglichkeit. Die Wahl zwischen diesen beiden Aspekten der Zeit kann glücken und mißlingen.