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Voraussetzungen für Kontrolle

Voraussetzung für einen kontrollierenden Umgang mit sozialer Komplexität ist Vertrauen in stabile Verhältnisse. Nur wenn vertraut wird, dass auch morgen der Chef noch Chef und der Mitarbeiter noch Mitarbeiter ist, die Organisation noch existiert, die Produkte, Kunden und Märkte gleich sind, macht es Sinn zu kontrollieren, ob die Vereinbarungen von gestern heute erfüllt wurden. Kontrolle braucht also gemeinsame Zukunft. Autoritäre Machtausübung setzt daher immer auch darauf, dass die kontrollierten Stellen/Personen sich keine alternativen Zukünfte verschaffen können (Verhinderung des Ausbruchs der Gefängnisinsassen, Ausreiseverbot von Dissidenten, Anketten von Sklaven, Erschweren der Kündigung durch Fristen, Verlust von Betriebsrenten oder Verbeamtung etc.). Umgekehrt lassen sich Mitarbeiter nur kontrollieren, wenn sie darauf vertrauen können, dass es für sie nützlich ist (Karriere, Gehaltserhöhung, Bonuszahlung, Verschonung von Schikanen etc.).

Diese Überlegungen haben eine unmittelbare Folge für die Muster, die sich am Leitprozess „Soziale Komplexität“ ausbilden: Je loser der Zusammenschluss der Organisationsmitglieder im Hinblick auf eine gemeinsame Zukunft ist, desto weniger kann kontrollierend operiert werden. Netzwerke lassen sich daher sehr viel weniger bis gar nicht kontrollieren als Verwaltungsorganisationen, in denen die Mitarbeiter keine alternativen Arbeitgeber haben.