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Vielfältig

Konfliktsysteme tilgen Vielfalt – wenn man sie lässt. Es ist folglich von erheblicher Bedeutung, vielfältige und unterschiedliche Beschreibungen des Gleichen (!) zuzulassen und zu begrüßen, sofern ein Interesse besteht, Konflikte in ihrer Eskalationsdynamik zu unterbrechen. Vielfalt löst die Ordnung des Konflikts auf und ermöglicht über Unordnung, dass sich neue, andere, gemeinsame Strukturen bilden können.

Um Vielfalt in ein Konfliktsystem wieder einzuführen, muss Sicherheit (=Eindeutigkeit) wieder in Unsicherheit (=Mehrdeutigkeit) verwandelt werden. Das setzt bei Personen eine dafür vorhandene Toleranz voraus, die oft erst erarbeitet werden muss. Bei Teams braucht es eine Bereitschaft, abweichende Meinungen nicht zu bestrafen oder mit Ausschluss zu quittieren. Mandatsträger von Organisationen, Parteien, Staaten u.ä. brauchen Rückhalt, wenn sie nicht nur die Interessen des Eigenen sehen. Aus all diesen Gründen ist der Pol ‚vielfältig‘ nicht aus sich heraus stabil.

Dies dürfte einer der Gründe sein, warum er – aktuell unter dem Label „divers“ – oft moralisch aufgeladen wird. Divers ist dann gleichbedeutend mit gut. Damit wird jedoch übersehen, welches inhärente Konfliktpotiential in der Vielfalt liegt, da damit ständig Beschreibungs-, Erklärungs- und Bewertungsunterschiede in die Kommunikation einfließen. Die Homogenität oder zumindest eine hinreichende Koordination des sozialen Systems wird unter Vielfaltsbedingungen aufwändiger und labiler. Daher tendieren alle Systeme zur Gleichförmigkeit und werden ohne Konflikte im Laufe der Zeit „konservativer“.