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Vertrautheit

Vertrautheit ist – so Luhmann – für alle Systemarten notwendig. Wenn morgen alles, wirklich alles, anders wäre, könnte kein System überleben. Es wäre nicht mehr an seine Umwelt anschlussfähig. Vertraut ist das, was an der Zukunft der Vergangenheit gleicht: Auch morgen fällt der Apfel von oben nach unten, die Autos fahren rechts, für Geld bekomme ich Brötchen, meine Frau schaut mich liebevoll an und das Wetter ist am Samstag wieder schlecht. Vertrautheit kann – die Beispiele zeigen es – unterschiedlich gegründet sein: In Naturgesetzen, in Gesetzen, in die Funktion des Wirtschaftssystems, in Liebe als Passion und in Gewohnheit.

In Organisationen gibt es eine Unmenge an Vertrautheit, sonst könnten sie als Systeme keine interne Komplexität aufbauen. Die Leistungsfähigkeit einer Organisation hängt auch daran, welches Maß an Vertrautheit sie ihren Mitgliedern (zur Entlastung ihrer Verarbeitungskapazität) zur Verfügung stellen kann. Genauso relevant ist es, wie viel Bedarf an Vertrautheit die Mitglieder mitbringen. Je mehr diese statt Vertrautheit den Unterschied Beibehalten/Lernen nutzen können, desto besser kommt die Organisation in Zeiten mit starken Veränderungen in ihrer Umwelt zurecht.