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Verlust von Vertrautheit

Der Begriff Vertrautheit wurde von N. Luhmann benutzt, um den Zustand eines sozialen Systems zu beschreiben, das sich in einer bekannten Welt befindet. Solche Welten zeichnen sich dadurch aus, dass die Zukunft stark der Vergangenheit ähnelt (wenig Neues), die Fluktuation der Kommunikationspartner gering ist (man weiß, mit wem man zu tun hat) und die Komplexität der Sachverhalte ebenfalls gering ist (man kennt die Wege und Häuser).

Es braucht kein langen Erläuterungen, um zu wissen, dass solche vertraute Welten immer weniger werden. Das heißt jedoch nicht, dass die Menschen deshalb automatisch die Fähigkeit besitzen oder sich aneignen, die es braucht, wenn man mit ständig neuen Zukünften, neuen Beziehungen und neuen Problemen zurechtkommen muss. Eine Welt ohne Gewissheiten ist für Menschen nicht attraktiv. Der Verzicht und Verlust von sicheren Information („Auch die Wissenschaft ist nicht mehr das, was sie mal war und widerspricht sich ständig.“), von Kontrolle („Wie funktioniert schon wieder die Fernbedienung?“) und erprobten Indikatoren für das Schenken von Vertrauen überlasten sehr leicht.

Organisationen und Teams tun also gut daran, einerseits Inseln der Vertrautheit (Familienbilder und Pflanze am Büroschreibtisch) nicht unnötig zu opfern und andererseits die Kompetenz der Mitarbeiter zu schulen, sich in Unbehaustheit niederzulassen. Diese Kompetenzen fallen weder vom Himmel noch werden sie derzeit im Schulsystem erworben.