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Verbergen

Warum versuchen Menschen, etwas zu verbergen? Warum sind wir nicht einfach so, wie wir sind? Wozu der Aufwand? Auf der sprachlichen Ebene ist das einfach gesagt. Wer alles aussprechen würde, was ihm im Kopf herum geht, würde innerhalb kürzester Zeit alle Beziehungen zerstören, die er hat. Absolute „Ehrlichkeit“ ist kein lebbares Konzept. Darum braucht es tatsächlich entlang der Leitunterscheidung „Selbstausdruck“ ständig innere Aktivität. Ebenso auf der non-verbalen Ebene: Wer sich taktlos ständig anmerken lässt, wenn ihm etwas nicht passt, strapaziert Beziehungen ebenso. Daher besteht der funktionale Aspekt des Verbergens darin, dass man empathisch darauf achtet, was der jeweiligen Beziehung und Rolle gerecht wird. Hier ist die Abwägung zwischen angemessener Rücksicht und kontaktvoller Offenheit eine immerwährende Aufgabe. Dysfunktional wird Verbergen dann, wenn es keine Reaktion auf den gegenwärtigen Moment oder soziale Üblichkeiten, Normen oder No-Go’s ist, sondern der Bearbeitung innerer eigener Ängste und der Vermeidung von inneren Konflikten dient („Warum habe ich das schon wieder gemacht/gesagt/gezeigt? Unmöglich von mir!“). Wenn nicht sein darf, was ist, weil eine innere Instanz etwas dagegen hat, dann ist das etwas gänzlich anderes, als wenn ich mich bewusst entscheide, zugunsten von Bedürfnissen (Nähe, Zugehörigkeit, Wirksamkeit in der Rolle, etc.) ein bestimmtes Verhalten zu unterlassen, etwas unausgesprochen zu lassen oder meine Mimik unter Kontrolle zu halten. Die leitende Frage muss hier lauten: „Ist der Klient frei in seiner Entscheidung oder unbewusst eingeengt?“



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