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Unklar

Konflikte lieben klare Bewertungen. Vor allem Empfindungen wie ungerecht behandelt, verraten, unterdrückt, übervorteilt, übermächtigt, beschuldigt, abgeurteilt, beschämt, erniedrigt, verletzt, ausgestossen, benutzt und vieles andere mehr eignen sich für klare Einordnungen von richtig/falsch und gut/böse. So geht im  Bewertungsmodus sehr leicht die Freiheit, auch den anderen Pol „unklar“ zu wählen. verloren.
Denn die Bedingung dafür, dass der Konflikt auch deeskalieren kann oder die Eskalation dosiert werden kann, hängt daran, ob die Konfliktparteien ihre Selbstdistanzierungsfähigkeit aufrechterhalten können. „Könnte man es auch anders empfinden?“, „Ist es wirklich sicher, dass der andere mir weh tun wollte?“, „Ist es angemessen, dem anderen ausschließlich unlautere Motive zu unterstellen und jegliche Achtung vor ihm aufzugeben?“. Derartige Fragen erzeugen Unklarheit und Zweifel, wo Klarheit und Sicherheit war. Oft ist den Konfliktparteien nicht bewusst, dass ihre Bewertungen zur Lage („Das ist ungerecht!“, „Es ist totaler Blödsinn, es so zu machen!“) auch die Funktion haben, den eigenen Selbstwert oder den Zusammenhalt der Gruppe zu schützen. Der sekundäre Nutzen von Bewertungen um Verneinungen, Gegenreden und Kritik innerlich zu verarbeiten ist enorm. Da Selbstwert wie Zusammenhalt grundsätzlich labile Prozesse in Menschen und Gruppen sind, sind Konflikte, die sich zuspitzen, so wahrscheinlich.