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Top-Teams und Teamgrenze

Die beiden speziellen Herausforderungen von Top-Teams im Hinblick auf den Leitprozess Teamgrenze sind:

  • Entweder gerät der Aspekt einer „Schicksalsgemeinschaft“ mehr als in anderen Teams in den Vordergrund. Oft ist zu beobachten, dass für Aufsichtsräte in der Besetzung von Vorständen die Frage, wie die jeweiligen Personen als Team funktionieren könnten, keine sehr große Rolle spielt. Das wird vorausgesetzt. So finden sich Top-Team-Mitglieder in einer Runde zusammen, die sehr unterschiedliche fachliche Ausgangsberufe, unterschiedliche Karrierewege hinter sich haben und für die viel auf dem Spiel steht. Auf dem Spiel deshalb, weil die Vertragszeiten kurz sind und die Verlängerung nicht selbstverständlich. Die Angst „herauszufallen“ wird oft verdeckt oder verleugnet und ist deshalb um so wirksamer. Teamdynamisch ist dieser Aspekt ein wichtiger Grund solidarische Beziehungen zu etablieren, da sonst dysfunktionale Angstprozesse subtil das Team in seiner Leistung- und Leitungsfähigkeit behindern.
  • Oder es entwickelt sich ein eindrückliche und alles bestimmende Fokussierung (und Abhängigkeit) vom Vorsitzenden des Vorstands oder der Geschäftsleitung, weil allein dieser über Verbleib oder Rausschmiss entscheidet. Solche „fürstlichen“ Alleinherrscher erzeugen – absichtlich oder unabsichtlich – sehr viel mehr Angst als für möglich gehalten wird. Das Phänomen des vorauseilenden Gehorsams (auch bei den Top-Team-Mitgliedern) greift um sich. Das Risiko für die Organisation ist bei einer derartigen Konstellation massiv, da Korrekturinstanzen und Korrekturdialoge für den einen Mächtigen fehlen (und dieser dies in der Regel aber ganz anders sieht). Autoritäre Leitungsfiguren unterschätzen das Ausmass an Anpassung in der Umgebung meist enorm.

Daraus folgt, dass es alles andere als selbstverständlich ist, dass ein Top-Team zu einer funktionalen Gestaltung seiner Teamgrenze findet: Erstens weil es unüblich ist, oben beschriebene Phänomene zu besprechen, und zweitens, weil es auch wenn man es will, für niemand ganz leicht ist.