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Steuerung

Die grundlegende (systemtheoretische) Definition von (System-)Steuerung ist Minderung einer Differenz (Hunger >> Essen; Arbeitslast >> Pause; Viele Reklamationen >> Erhöhung der Qualität). Dies unterscheidet sich von dem üblichen Verständnis, das Steuerung als geplante und lineare Aktivität zur Erreichung eines gewählten und erwünschten Ziels auffasst.

Denn, wenn alle (Teil-)Systeme ihre Differenzen gleichzeitig mindern, ändert sich ständig mehr, als gewusst, gewollt und geplant werden kann. So ist jede Steuerung immer rückbezüglich und zirkulär. Wer Controllingfragebögen ausfüllt, steuert das Controlling. Wer weiß, dass er bei Budgetverhandlungen 20% einsparen muss, der schlägt vorher 20% auf. Es lassen sich komplexe System nicht monokausal steuern, weil alle möglichen Differenzen nicht bearbeitet werden können und die Bearbeitung anderswo jeden Tag neue und andere Differenzen schafft.

Systeme müssen, um steuern zu können,

  1. sich ausreichend von anderen Einflüssen abschirmen,
  2. ausreichend auswählen, worauf sie einwirken können,
  3. ausreichend motivierende Differenzen etablieren,
  4. ausreichend auf die Rückwirkungen ihres Tuns im System und (!) der Umwelt achten.

Keiner der Punkte ist ohne den anderen funktional. Ohne hinreichende Abschirmung folgt Verzettelung, ohne Wahl begrenzter Foki folgt Überforderung, ohne Motivation folgt Wirkungslosigkeit, ohne Auswertung der Folgen blinde Fixierung.

Jeder der Punkte ist entscheidungsbedürftig und damit immer auch kritisierbar.