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Soziale Entscheidungsblockaden

Entscheidungsblockaden sind schon vom Wort her verdächtig. Riecht es doch nach Verweigerung, nach Uneinsichtigkeit, nach Rebellion, die sich allesamt zu rechtfertigen haben. Hierarchisch gestaltete Organisationen neigen dazu – nachdem Macht und Ohnmacht zunächst mal verteilt sind – den Mächtigen auch die Wahrheit zuzuordnen.

Das ist einerseits plausibel, weil es ja gerade eine der wesentlichen Funktionen von Hierarchie ist, Entscheidungslagen, in denen mit Hilfe von Argumenten keine Einigung erzielt werden kann, zur Entscheidung zu bringen. Vielleicht ist dies die wichtigste Funktion von Hierarchie. Der Chef weiß es auch nicht besser, aber er kann, darf und muss sagen, wo es lang geht. So erhält die Organisation ihre Operationsfähigkeit. Daher gelten Vorgesetzte, die nicht entscheiden, eher als Problem.

Andererseits ändert die Entscheidungszwänge nichts daran, dass durch gegensätzlichen Interessenlagen entstehenden unentscheidbare Konflikte ein permanent vorkommendes Phänomen in Organisationen sind. So entwickeln sich schnell aus sachlichen Entscheidungsproblemen soziale Lagerbildung. Die unterschiedlichen Parteien identifizieren sich mit den jeweiligen Ansichten und zurren sich wechselseitig im Grabenkampf fest. Solche Lagerkämpfe lassen sich meist nicht so einfach durch Sachentscheidungen der Hierarchie wieder auflösen, da der Entscheider von den Unterlegenen der siegreichen Partei zugerechnet wird und damit Teil des Konflikts wird. Organisationen brauchen daher auf Seiten ihrer Mitglieder die Fähigkeit, sich von „Richtigkeiten“ zu lösen, und auf Seiten der Hierarchie die Fähigkeit, einen klugen Umgang mit den „Verlierern“ zu pflegen.