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Selbststabilisierung sozialer Komplexität

Zu allen Leitprozessen bilden sich Muster aus, um die jeweiligen Systeme zu entlasten. Im Hinblick auf Vertrauen und Kontrolle imponiert, dass sich diese Muster häufig besonders schnell und besonders stabil in Organisationen bilden. Vertrauen ruft Vertrauen, Kontrolle ruft Gegenkontrolle hervor.

Letzteres hat Luhmann so formuliert: Überwachung der Untergebenen wird mit Unterwachung des Vorgesetzten beantwortet. Und man ahnt es, die Unterwachenden sitzen oft am längeren Hebel, weil sie den Vorgesetzten mit Entscheidungen so überlasten können, dass er freiwillig weniger kontrolliert oder ihn so mit Informationen überladen oder mit Teilinformationen irreführen können, dass die Kontrolle ins Leere läuft. Ist erst einmal Misstrauen im System, lässt es sich nicht so einfach auf Vertrauen umstellen (Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht!).

Umgekehrt macht das Verleihen von Vertrauen (in Organisationen) die Beantwortung mit Gegenvertrauen wahrscheinlicher. Beide Seiten entlasten sich und bestärken sich in ihren Vorgehensweisen. Der Vertrauenskreislauf stabilisiert sich auch, weil niemand gerne zugeben möchte, dass er sich mit seiner Vertrauensbereitschaft geirrt hat. So werden Störungen im Vertrauensfeld meist längere Zeit ausgefiltert.