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Regulationskompetenz „Spezifisch“

Wer etwas Konfliktträchtiges anspricht, tut gut daran, im Blick zu behalten (= Aufmerksamkeitsmodus!), um was es (eigentlich) geht. Konfliktdynamiken sind asymmetrisch gebaut und verleiten zu der Vermutung, wenn man sich in einem Punkt uneinig ist, dass man dann auch in anderen Punkten einander widersprechen muss. Die Konfliktkommunikation an dem spezifischen Punkt zu halten ist eine Fähigkeit, die ganz Wesentlich darauf gründet, Widerspruch in der Sache und Ablehnung der Person auseinanderzuhalten. Dies wiederum setzt voraus,

  • dass der Selbstwert nicht von der Zustimmung anderer Menschen abhängig ist,
  • dass man das Vertrauen behalten kann, dass, wenn der andere oder man selbst widerspricht, deshalb die Beziehung nicht gefährdet ist,
  • dass man eine Grundzuversicht hat, dass man über Reden etwas klären kann,
  • dass man Gefühle, die mit dem spezifischen Konfliktfokus verbunden sind, bei sich und beim anderen tolerieren kann.

Ist der Konflikt erstmal eskaliert und es ist erforderlich vom generalisierten Streit wieder in spezifische Verhandlungen zurückzukehren, sind zusätzlich zu den genannten Fähigkeiten zwei weitere besonders wichtig:

  • Man muss Gefühle „einklammern“ können. Also nicht abschalten, nicht leugnen, nicht übertünchen, sondern sie erleben, aber nicht verhaltenswirksam werden lassen. Das geht in Anwesenheit Dritter (Moderatoren, Freunde, Anwälte) oft leichter.
  •   Man muss den Willen haben, auszuloten, was möglich ist, statt an Maximalinteressen oder Durchsetzungswünschen festzuhalten. Damit geht meist einher, dass man Wichtiges in Teilen preisgibt. Kompromisse muss man wollen, da sie emotional mit Toleranz und Regulation von Unlustgefühlen zu tun haben.

In Konfliktmoderation kann es sehr helfen, wenn man obige Punkte im Blick hat, und ggf. erst an der Voraussetzungen arbeitet, die einen Kompromiss in der Sache ermöglichen können.