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Die Psyche ist nicht beobachtbar

Ein gemeinhin unterschätztes Problem ist, dass man die Psyche von Menschen nicht beobachten kann. Alles was man beobachten kann, sind Handlungen (auch körperliche Ausdrucksformen sind Handlungen). Was jemand erlebt, was in jemandem vorgeht, das er noch nicht mal selbst bemerkt („Wie konnte ich nur!“), was jemanden motiviert und aus welchen Gründen jemand welche Absichten verfolgt – all das und noch viel mehr lässt sich nicht beobachten. Weil das so ist, sind Organisationen und Teams in der Beurteilung von Passung und Nicht-Passung auf Hypothesen, auf Ableitungen und auf Vermutungen angewiesen.

Diese prinzipielle Unmöglichkeit die Psyche zu beobachten, lässt sich auch mit Hilfe von Experten (= Gutachtern, Auditoren, Assessmentleitern, Personalberatern) oder Verfahren (= Persönlichkeitstests, Auswahlverfahren, Audits) nicht umgehen. Trotzdem wird das immer wieder versucht, angeboten, bezahlt und geglaubt. Die ungeliebte Unsicherheit wird also durch gemeinsam akzeptierte Als-ob-Sicherheit kompensiert. Das ist nützlich, um dann etwa Entscheidungen über Stellenbesetzungen zu legitimieren oder sich abzusichern, keine Fehleinstellung vorgenommen zu haben.  Solche Legitimationsprozesse sind für Organisationen oft nötig, weil dadurch die Wahrscheinlichkeit für die Akzeptanz von Entscheidungen über Personal höher wird. Kann etwas als Willkür interpretiert werden, dann sind das Kränkungspotential wie die Anfechtungsmöglichkeiten hoch. Beides zu begrenzen ist im Leitprozess Personal jedoch notwendig.