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Nicht-entschiedene Entscheidungsprämissen

Das lange und verworrene Ringen darum, was denn nun Organisationskultur sei, stimuliert die Theorie über andere, neue Begriffe ein wenig Ordnung in die Verhältnisse zu bringen. Mit „Nicht-entschiedene Entscheidungsprämissen“ als Definition von Organisationskultur greifen wir hier eine Terminologie auf, die von Luhmann kommt und von Stefan Kühl präzisiert wurde.

Was ist damit gemeint? Es sollen damit alle Phänomene bezeichnet werden, die sich in sozialen Systemen (durch Wiederholung), subtil und ohne angewiesen worden zu sein, eingeschlichen haben. Die Gründe dafür können vielfältig sein: Es können auf diese Weise entschiedene/formale Prämissen unterstützt – um sie zu stabilisieren – oder unterwandert werden – um Flexibilität zu erhalten. Sie bilden sich aber auch, um Nebenzwecke der Organisation zu befördern, Interessen zu konsolidieren oder die Motivation und Orientierung von (neuen) Mitarbeitern zu strukturieren.

Was nicht entschieden ist, teilt sich in zwei Kategorien auf: In das, was man entscheiden könnte, aber nicht hat, und in das, was nicht entscheidungsfähig ist. Diesen Unterschied zu kennen und zu gebrauchen ist insbesondere für Management und Beratung in Organisationen bedeutsam. Gibt es doch immer wieder Versuche „Organisationskultur“ per Instruktion oder Appell zu verändern, nicht berücksichtigend, dass wesentliche Aspekte der „Kultur“ nicht über Entscheidungen veränderbar sind. Nicht-Entschiedenes, aber Entscheidbares explizit zu regeln, ist ebenfalls gut zu überlegen, da damit ungewollt, die eigentliche Leistung der Kultur zu nichte gemacht werden kann.