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Nicht-entscheidbare Entscheidungsprämissen

Kann etwas, das nicht entscheidbar ist, Grundlage für andere Entscheidungen sein? Genau das soll nämlich mit dem etwas seltsamen Begriff zum Ausdruck gebracht werden!

Vielleicht am einfachsten lässt sich das verstehen, wenn man sich vorstellt, dass man in einer Organisation als Besucher auf die Beobachtung, dass alle ausgesprochen freundlich sind und sich alle duzen, die Frage stellt, ob es denn hier keine Konflikte gäbe und alle sich wirklich nahe stehen. Eine solche Frage würde als (schlechter) Witz, als Dummheit oder als Entgleisung interpretiert werden. In Organisationen spielen sich viele Dinge ein. Sie werden eben nicht entschieden, man könnte sie aber auch gar nicht entscheiden. In unserem Beispiel könnte kein Chef oder wer auch immer hergehen und ein „Sie“ und einen verhaltenen distanzierten Umgang anordnen (auch wenn so etwas in die andere Richtung sehr wohl immer wieder versucht wird). Der Effekt wäre bestenfalls eine vordergründige Verhaltensanpassung, die sich meist nicht lange durchhält, weil sie sich durch und durch „falsch“ anfühlt. Nicht-entscheidbare Entscheidungsprämissen haben also immer auch einen Bezug zum Erleben der Mitarbeiter und sind deshalb nicht über Anweisungen (=Entscheidungen) zu ändern. Das würde nur zum berühmten „Sei spontan“-Paradox führen, wo Unwillkürliches willentlich hervorgerufen werden soll.

Da Nicht-entscheidbare Entscheidungsprämissen Teil der Organisationskultur sind, lässt sich eben diese nicht einfach so durch Ansagen (des Managements) verändern. Es braucht andere Formen der Einflussnahme.