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Linear

Es gibt Personen, Partnerschaften, Beziehungen, Teams, Vereine und Organisationen, die sich kontinuierlich mit Schuldfragen beschäftigen. Im Leben geht immer etwas schief oder läuft jedenfalls anders als gewünscht. So gibt es auch immer die Möglichkeit, sich und anderen zu erklären, wie es zu dem – realen oder vermeintlichen – Schaden gekommen ist. Mit der Entscheidung, eine Erklärung zu suchen, die kausal Schuld zuschreibt, ist automatisch ein Konflikt wahrscheinlich geworden.

Die wenigsten möchten bewusst Verursacher eines Schadens, eines Schmerzes, einer Enttäuschung, einer Beschämung oder ähnlichem sein. Also reagiert der Konfliktpartner mit einer anderen Ursache-Wirkungs-Kette. Diese fängt meist zu einem anderen, früheren Zeitpunkt an. Die Konfliktforschung nennt dies „Interpunktion“, alltagssprachlich „Wer hat angefangen?“. Diese Fragestellung ist auch deshalb häufig dysfunktional, weil sie davon ausgeht, dass man zu einem früheren Zeitpunkt schon hätte wissen können, was später passiert. Was heute als Fehler feststeht, war aber zum Entscheidungszeitpunkt möglicherweise vollkommen unkritisch und unabsehbar.

Funktional können lineare Erklärungen dann werden, wenn sie eine positive Absicht unterstellen. „Ich weiß, Du wolltest eigentlich nur das Beste und konntest nicht ahnen, wie verhängnisvoll sich das für mich auswirken könnte.“ Eine derartige Unterstellung kann aus dem Schuldkreislauf herausführen und die Konfliktdynamik unterbrechen.