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Leitprozess – was ist das?

Leitprozesse sind in der systemtheoretischen Terminologie gesprochen Schematismen.

Schematismen sind Simplifikationen. Vereinfachungen dienen dazu, in einer Welt voller offener, wählbarer und deutungsbedürftiger Möglichkeiten zurecht zu kommen. Welche Vereinfachungen man nutzt, ist seinerseits eine Wahl. Die Wahl von 8 psychodynamischen, 6 teamdynamischen und 9 organisationsdynamischen Leitprozessen ist tatsächlich eine Wahl. Sie beinhaltet nicht die Behauptung, man könne nur so wählen oder diese Wahl hätte eine Entsprechung im Wesen der Welt. Die Wahl kommt also nicht durch Beobachtung der Welt, sondern durch Beobachtung von Theorien zustande. Es ist ein(!) Versuch, dem schon Gedachten und Erforschten eine neue Form, ein neues Schema zu geben und zu sehen, wohin man damit kommt.

Der eigentliche Reiz dieser Schematisierungen liegt darin, zu erforschen, wie diese 23 entscheidungsleitenden Dualismen – innerhalb ihrer selbst wie mit den anderen Dynamiken – „spielen“. Man kann annehmen, dass sie sich wechselseitig befördern, begrenzen, irritieren und sich zu stabilen „Gesamtmustern“ verdichten. Man kann auch vermuten, dass sich Wahrscheinlichkeiten identifizieren lassen, die mit einer Wenn-Dann-Logik beschrieben werden können. Innerhalb der jeweiligen Dynamiken gibt es unüberblickbare Forschungen zu solchen Zusammenhängen (auch wenn dort nur einzelne oder auch andere Schemata herangezogen werden).

Dieser metatheoretische Versuch, die Dynamik und die Veränderungslogik von drei Systemarten – Psyche, Team, Organisation – zu verstehen, könnte deshalb zu neuen Erkenntnissen führen, weil er alle drei Systemarten mit der gleichen Form der Schematisierung systemtischer Polarität konzeptualisiert. Wenn jedes System mit der gleichen Logik in sich untersucht und beschrieben werden kann, dann sollte es leichter möglich sein, die Koppelungen der Systeme miteinander theoretisch konsistent herauszuarbeiten.

Diesem Forschungsprogramm hat sich dieses Portal verschrieben.