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Leitprozess Machtmodus

Der Leitprozess ‚Machtmodus‘ bildet den Aspekt der Konfliktdynamik ab, der darauf zielt, unmittelbaren, direkten und wahrnehmbaren machtförmigen Einfluss auf den Konfliktpartner zu bekommen oder ihm einen solchen Einfluss zu gewähren. Die Frage ist: „Kann der Konfliktpartner über Drohungen unterworfen werden oder gibt man ihm Einfluss, der eine Basis für Verhandlungen bildet?“
Beides kann funktional oder dysfunktional sein. Jedes Konfliktsystem bewegt sich in diesem Raum zwischen dem Risiko, auf Drohungen zu verzichten, und dem Risiko zu verhandeln, während einer der beiden Konfliktpartner schon die Zeit für den Aufbau von Drohpotentialen nutzt. Die häufig anzutreffende Aussage, dass Drohungen per se ungünstig oder falsch sind, lässt sich aus dieser Sicht nicht aufrechterhalten. Verhandlungen zum falschen Zeitpunkt können den Konflikt genauso stabilisieren wie abschwächen. Drohungen zum falschen Zeitpunkt können eskalierend wirken oder deutlich machen, dass ein Nachgeben nicht in Frage kommt, und damit die Gewinnabsichten auf der anderen Seite als Illusion entlarven. Das mag seltener sein, aber kommt vor. Daher wollen sowohl Drohungen wie auch Verhandlungsangebote vor allem im Hinblick auf den Zeitpunkt wohl überlegt sein. Das gilt insbesondere für Konfliktmoderation, die ja immer in Gefahr ist, ausschließlich auf Verhandlungen zu setzen, und damit viel Gespür für den passenden Zeitpunkt zur Unterbrechung von Drohkulissen zugunsten eines Verhandlungssettings braucht.