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Komplexität und Selbstgefährdung

Wenn Komplexität durch eine spezifische Auswahl der Möglichkeiten bearbeitet wird, die durch eben jene Komplexität bereitgestellt werden, dann ist sie per se gefährlich. Eine Entscheidung für die Realisierung der einen Möglichkeit bringt immer die Gefahr mit sich, dass sich die verworfenen Möglichkeiten nicht nur jetzt, sondern auch in der Zukunft nicht mehr erreichbar sind. Ist die eine Möglichkeit wirklich geworden, ist sie der Ausgangspunkt weiterer, auf ihr aufbauender Auswahlmöglichkeiten. Mit jeder Entscheidung wird das Ergebnis spezifischer, einzigartiger und damit unwahrscheinlicher.

Je unwahrscheinlicher aber etwas ist, desto eingeschränkter ist es auch, auf größere Änderungen in seiner Umwelt selbst mit größeren Änderungen zu reagieren. Es hängt in seiner Vergangenheit fest. Wird z.B. ein bestimmter Beruf – Weber, Morser, vielleicht bald Postboten oder Chirurgen – nicht mehr gebraucht, bedarf es langwieriger Umschulungen, um wieder neue Wahlmöglichkeiten zu haben.

Dieser Zusammenhang ist für Veränderungstheorie von erheblicher Relevanz. Bezeugt er doch, dass ein einseitiger Optimismus, dass bei gutem Willen alles möglich ist, theoretisch nicht haltbar ist. Manche Systeme verschwinden daher und verändern sich nicht. In einer hochdynamischen, disruptiven Welt werden daher Strukturierungsprinzipen, die auf Änderbarkeit setzen besonders funktional, da sie der Selbstgefährdung durch historische Starre entgegenwirken.