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Kausalität

Die systemtheoretische Konzeption von Kausalität hat viel Verwirrung und Ablehnung erzeugt. Verständlich, ist es doch nicht so leicht nachzuvollziehen, dass Kausalität ein vom Beobachter abhängiges Phänomen sein soll. Hier kommt die naturwissenschaftlich Orientierung unserer Kultur ins Spiel deren Grundannahme darin liegt, dass die Welt (und nicht nur die Natur) nach kausalen Gesetzen organisiert ist. Dass die Natur solche Aspekte hat, die es erlauben sie gesetzmässig zu beschreiben, wird systemtheoretisch nicht bestritten. Dass diese Aspekte jedoch ohne die Selektion einer Beobachtung (= Experiment) auskommen, wird als falsch angesehen.

Systemtheoretisch sind bei System-Umwelt-Koppelungen sowohl viele Ursachen und viele Wirkungen im Spiel. Das System wählt aus: Jemand stösst ein Glas vom Tisch: Zufällig, absichtlich, bewusst, unbewusst? Es zerspringt am Boden in nie voraussehbare und wiederholbare Teile. Es kann beim „Verursacher“ vieles „auslösen“: Schuld, Ärger, Trauer, Selbstanklage, Scham, Freude etc. Aber ist das kaputte Glas der alleinige Auslöser? Nein, viele weitere denkbare Ursachen könnten im Spiel sein. Schon an diesem kleinen Beispiel lässt sich sehen, wie stark Ursache-Wirkungs-Ketten auf Vereinfachungen und Ausblendungen angewiesen sind.

In Experimenten und Forschungen untersucht man meist einen oder wenige Faktoren und lässt den Rest der Welt als scheinbar stabil (ceteris paribus) unberücksichtigt. Die Ergebnisse sind daher immer Erkenntnisse, die durch die Selektion der Beobachtung zustande kommen. Und sie sind wiederholbar, wenn diese Bedingungen stabil gemacht werden können. Kausale Beobachtungen blenden so immer Ursachen aus und übersehen Wirkungen, damit sie sagen können: „Wegen dem, geschah jenes!“ Und weil man das eben meist auch anders sehen kann, gibt es über kausale Erklärungen so viel Streit.

Das sollte man wissen.