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Karriere und Flexibilität

N.Luhmann macht auf einen wichtigen Aspekt aufmerksam. Anders als der Mainstream der Organisationstheorien sieht er in Karriereorientierung nicht etwas Unerwünschtes, dem dem Zweck und Ziel des Organisationsganzen im Wege steht. Er sieht im Streben nach Karriere den Ausdruck der Flexibilität von Personen, die auf diese Weise paradoxerweise zur Stabilität der Organisation beitragen. Wäre es nämlich nötig, dass sich Organisationsmitglieder ganz und gar mit den Zielen der Organisation identifizieren müssten und eigene Motive schädlich wären, dann würde jede Änderung der Ziele, jedes Change-Projekt enorme Umorientierung und Änderungen auf Seiten des Mitglieds erfordern. In manchen Start-ups ist das so und deshalb sind dort Loslösungsprozesse von der Ursprungsidee so schwierig. Identifikation mit einem größeren Ganzen kann demnach als eine zweite Möglichkeit angesehen werden, für die Stabilität in Organisationen zu sorgen. Allerdings ist diese weit schwieriger mit allen Mitglieder herzustellen und offenbart ihre Nachteile bei Änderungsnotwendigkeiten. Die Schwierigkeiten von pflegenden und heilenden Berufen sich mit Krankenhäusern zu identifizieren, deren Zweck nicht mehr ausschließlich im „Für den Patienten nur das Beste“, sondern auch im Erwirtschaften von Gewinn liegt, sind ebenfalls bekannt.

Wer an Karriere orientiert ist, der kann sich auch mit wechselnden Produkten, Aufgaben, Visionen abfinden, da der „Eigennutz“ im Vordergrund ist. Er bleibt flexibel und kann aus eigenen Motiven das Team und die Organisation unterstützen. Darum ist Karriereorientierung für den Bestand der Organisation ein wichtiges Element.