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Informelle Regeln

Die Funktion informeller Regeln ist, die Organisation auch dort reaktionsfähig zu halten, wo Formalität überfordert wäre. Informelles liegt vor, wenn Verhalten erwartbar von Mitgliedern einer Organisation gezeigt wird, auch wenn dies so nirgends geschrieben steht und als Mitgliedschaftsbedingung angewiesen ist.

Über Ungeschriebenes, Nichtsprachlich-Kommuniziertes oder Nicht-Kommunizierbares (alles Aspekte von Informellem) regelt die Organisationsdynamik, dass sie mit der Widersprüchlichkeit von Situationen zurecht kommt. Formales ist zu eindeutig, zu wenig ambiguitätskompetent und auf sich allein gestellt zu unflexibel auf Dilemmata zu reagieren. Auch hier kommt wieder die Uneindeutigkeit und Zerrissenheit der Welt ins Spiel. Durch informelle Möglichkeiten entstehen Spielräume. Man kann mit „gutem Gewissen“ offizielle Regeln verletzen, weil „man das hier einfach so machen darf“ (oder sogar muss)!

Informelle Regeln gibt es in offener und latenter Form. Dies wird leider oft in einen Topf geworfen.

Offene informelle Regeln kennt jeder und kann auf Nachfrage dazu Auskunft geben („Bei uns kann man einfach 15 Minuten später kommen.“ oder „Hier begrüßt man sich per Handschlag“). Anders bei latenten Regeln, etwa „Keiner widerspricht dem Inhaber, weil sich der immer rächt!“. Würde so etwas offen benannt, wäre es zu beschämend, zu destabilisierend oder zu gefährlich. Die Funktion kann die Regel nur erfüllen, solange er tabuisiert ist, darüber zu sprechen. Es ist daher naiv, wenn man meint, dass man grundsätzlich einem System etwas Gutes tut, wenn Latentes offen von Außenstehenden (etwa Beratern) aufgedeckt wird.