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Hierarchie und Verantwortung

Hierarchie ist eine Form, wie Organisationen es organisieren, dass es Kommunikationsadressen für die Diskussion von Entscheidungen gibt. Würde „es“ sich einfach entscheiden, so gäbe es keine Chance die Entscheidung zu diskutieren – mit wem? So stehen Leiter, Chefs, Vorgesetzte, Führungskräfte, Inhaber, Meister, Geschäftsführer oder die jeweiligen Gremien, in denen sie sich zusammenfinden, als Zustelladresse für die Folgen von Entscheidungen zur Verfügung. Man kann sie „verantwortlich machen“.

Damit wird/werden der/die Entscheider allerdings immer überschätzt, weil die Informationsverarbeitung, die in einer Entscheidung liegt, weit über das Leistungsvermögen einer einzelne Person oder eines Gremiums hinausgehen! Diese Überschätzung erschwert es, dass in Organisationen Entscheidungen getroffen werden – insbesondere dann, wenn sie risikant sind. Je größer die Gefahr ist, für zukünftige, schlechte Folgen gegenwärtiger Entscheidungen angeklagt zu werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass schwierige Entscheidungen so gefällt werden, dass nicht auffällt, wer sie getroffen hat.

Hierarchie mildert und verschärft dieses Problem. Darin liegt eine ihrer ganz wichtigen Funktionen. Gemildert wird das Verantwortungsvermeidungsproblem, weil Hierarchen entscheiden sollen und müssen, es also erwartet wird. Somit wird es schwerer es zu umgehen. Verschärft wird das Problem, dass Entscheidungen – im Guten wie im Schlechten – höchst karriererelevant sind. Der Druck „richtig“ zu entscheiden wächst daher, was sich meist ungünstig auf die Entscheidungen auswirkt.