Grundbedürfnisse der Psyche
Die Diskussion über die Grundbedürfnisse von Menschen ist lang, verworren, unübersichtlich und uneinheitlich. Die Literatur zu diesem Punkt aufzuarbeiten, ist kaum zu leisten. Metatheoretisch lassen sich jedoch letztlich drei seelische Grundbedürfnisse konstatieren: Das Bedürfnis nach Bindung, nach Selbstbestimmung und nach Selbstachtung. Im Kontext dieser Theoriedarstellung kann keine Herleitung dieser Konzeption stattfinden. Ihre Schlüssigkeit muss daher aus dem Nutzen und der konzeptionellen Einordnung überzeugen. Viele der vorliegenden Konzepte lassen sich jedoch – wenn man sie von anderen Begrifflichkeiten und Schwerpunktsetzungen entkleidet – mit diesem Modell beschreiben oder darin eingliedern. Der theoretisch wichtigste Punkt ist, dass jedes dieser drei o.g. Bedürfnisse in sich polar und prozessual gedacht wird: Bindung als die Regulation von Nähe UND Distanz, Selbstbestimmung als die Regulation von Freiheit UND Sicherheit, und Selbstachtung als die Regulation von Einzigartigkeit UND Zugehörigkeit. Daher gibt es in dieser psychologischen Denkart keine guten Gefühle aus dem Erfüllen eines Bedürfnisses, die nicht auch den Preis der (vorübergehenden) Frustration des polaren Gegenbedürfnisses mit sich bringen. Deswegen kommt es, wenn man sich mit sich und anderen wohlfühlen möchte, neben der Fähigkeit zum Genießen ebenso auf Regulationskompetenz, Spannungstoleranz und Frustrationstoleranz an.