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Gefahren von Kontrolle

Kontrolle birgt unterschiedliche Gefahrenpotentiale, die in der Organisationsforschung auch gut untersucht sind. Komplexe Bedingungen befördern diese Gefahren. Die Benennung dieser Gefahren sind hier nicht als Kritik an Kontrolle zu verstehen. Im Gegenteil: Nur wer die Gefahren eines Instruments kennt, kann angemessen mit ihm umgehen! Fünf besonders wichtige Aspekte sind hier aufgelistet:

  1. Kontrollierende Entscheidungen überschätzen sich leicht in ihrer Leistungsfähigkeit. Die Informationslasten werden an den Kontrollinstanzen zu hoch (endlose Meetings mit endlosen Folien), die Koordinierungsaufwände explodieren (inkonsistente Controllingzahlen in Matrixorganisationen) und die Mehrdeutigkeit der Fakten ist kommunikativ nicht zu bewältigen.
  2. Kontrollierende Entscheidungen drohen zu wuchern. Die Widersprüchlichkeit und Kompliziertheit der realen Verhältnisse sind mit eindeutigen, allgemeinen und verbindlichen Konzepten kaum mehr zu erfassen (siehe auch Leitprozess Gegenwartsbehandlung).
  3. Kontrollierende Entscheidungen sind unterkomplex. Kontrolle verengt die Aufmerksamkeit auf spezifische Parameter, so dass Wichtiges nicht mehr wahrgenommen wird, weil es außerhalb des „Messapparates“ liegt.
  4. Kontrollierende Entscheidungen werden rigide. Die Kontrollstrukturen der Organisation drohen den Charakter der Unveränderbarkeit zu bekommen und führen zu starker Demotivation, Anpassung, Passivität oder Umgehungsstrategien auf Seiten der Mitarbeiter.
  5. Kontrollierende Entscheidungen unterdrücken Fehlermeldungen. Mitarbeiter berichten erwünschte Nachrichten und reduzieren oder vermeiden echtes Feedback oder reale „Wasserstandsmeldungen“, so dass die reporteten Zahlen eine geschönte Welt zeichnen.

Alle Gefahren lassen sich in Organisationen beobachten, ohne dass dort immer das Risiko gesehen wird, wenn man dies so laufen lässt. Keine dieser Gefahren lässt sich ganz vermeiden. Wie überall kommt es auch hier auf die Regulationsfähigkeit und die Bereitschaft an die Gefahren zu sehen und diese als Risiko, das man steuern muss, zu behandeln.