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Funktion des Pols „Feindlich“

Der Kontaktmodus „Feindlich“ kann in Konflikten in zweierlei Weise hilfreich sein.
  1.  Konflikte lösen Ordnungen auf. Dafür braucht es Kraft, Energie, manchmal auch Zerstörungswillen, da bestehenden Ordnungen so gut wie immer Interessen dienen, die eben deshalb an den bestehenden Ordnungen festhalten. Revolutionen sind nötig, weil die Machthaber ihren Platz nicht räumen. Um einen solchen Willen – im Kleinen wie im Großen – aufzubringen, braucht es eine klare und stabile Orientierung. Diese liefert der Pol „Feindlich“ auf effektive Weise. Wer weiß, wer und wo der Feind ist, hat diese klare Orientierung. Darum ist sie kommunikativ so beliebt: In der Gruppendynamik von Schulklassen und anderen Gruppen, in sozialen Milieus, in der Politik, im Wettbewerb der Firmen, auch in der Konkurrenz um Wahrheiten in der Wissenschaft usw.! Gäbe es keine Feinde, wären Ordnungen zu stabil.
  2.  Konflikte stellen Ordnungen her. Eine der einfachsten Formen ist: Trennung. Darum – wer sich scheiden lassen will, tut sich mit der Trennung leichter, wenn aus Freund Feind wird. Deshalb sind Rosenkriege so beliebt und häufig. Aus ganz eng, wird ganz fern. Der Wert dieser Funktion ist hoch. Soziale Gebilde wären sonst zu unflexibel. Was früher Krankheiten, geringe Lebenserwartung, Kriege, Mord, Hungersnöte etc. bewerkstelligt haben, wird heute durch feindorientierte Konflikte geregelt. Das ist leidvoll, keine Frage. Andere Formen der Trennung bedürfen allerdings, komplexer Fähigkeiten, die eben nicht immer vorliegen. Eine andere Form der Ordnung ist Unterwerfung. Und auch dafür leistet die „Feindorientierung“ einen erheblichen Beitrag. Wer im anderen den Feind sieht, der mobilisiert leichter die für Drohungen, Durchsetzungsaktionen und Schuldzuschreibungen nötigen Überzeugungen. Ist der Feindpol im Kontaktmodus prägend, kann sich die Konfliktdynamik leichter auf den Konfliktfokus „Sieg“ ausweiten.