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Expertenberatung

Die klassische Organisationstheorie versteht Organisationen auf einen Zweck hin orientierte Gebilde, die mit effektivem Mitteleinsatz ihr Ziel erreichen sollen. Diese Lesart projiziert ein technisch-maschinelles Denkkonstrukt auf Organisationen. Wäre dieses Bild vollkommen falsch, hätte es sich nicht so lange gehalten. Auf dieser Grundlage erwuchs die Rolle und Profession „Management“, die die Aufgabe hat die Mittel-Zweck-Kalkulation optimal zu gestalten. Hierzu braucht es unterschiedliche Formen von Sachverstand: technischen, ökonomischen, rechtlichen, vertrieblichen u.v.a.m..

Wenn nun Optimierungsbedarf festgestellt oder vermutet wird, liegt es nahe, die fachliche Kompetenz von Teilen des Managements zu verbessern. Man sucht Berater oder Trainer, die eine bestimmte Expertise in besonderer Weise haben oder vorgeben zu haben. Es wird der Versuch unternommen Wissen zu importieren, um sich zu verbessern. So hat sich weltweit eine Beratungsindustrie entwickelt, deren Leistungsversprechen eine Wissensinjektion ist. Hierbei hat sich auch das Mittel des Quervergleichs (=Benchmarking) als besonders attraktives Tool etabliert, welches die großen Unternehmensberatungsfirmen erfolgreich verkaufen.

In diesem Beratungsmodell stecken viele (problematische und häufig kritisierte) Implikate: Erfolg erwächst aus Optimierung, Wissen kann von anderen übernommen werden, Lösungen anderer sind für die eigene Organisation richtig, werden gewollt und können umgesetzt werden. Je näher der Handlungskontext an technisch gekoppelten Systemen liegt, desto eher stimmen diese Annahmen. Je komplexer, loser gekoppelt und dynamischer die Systeme sind, desto unzutreffender werden sie.

Aus diesem Grund braucht es gewissermassen ein spezielles Expertenwissen, um zu wissen, ob Expertenberatung eher nützlich oder schädlich sein wird.