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Erwartung

Er kommt unauffällig daher – dieser auch in der täglichen Sprache benutzter Begriff. Für ein Verständnis von Veränderung von Personen, Teams und Organisationen ist er von herausragender Prominenz!

Jedes der o.g. Systeme erwartet in jeder gegenwärtigen Situation etwas: Das, was unmöglich und ausgeschlossen scheint („Der Stein kann nicht von selbst wegfliegen“), das, was für gegeben gehalten wird („Ich besitze dieses Haus“) und das, was mehr oder weniger wahrscheinlich eintreten wird („Morgen sind wir immer noch Freunde“). Diese drei Erwartungsaspekte bestimmen die Sicht jedes Systems auf Welt.  Sie können bewusst oder unbewusst, manifest oder latent, geschrieben oder ungeschrieben sein. Erwartungen können sehr situativ sein, die meisten davon sind jedoch sehr stabil und bilden die innere Struktur des Systems. Systeme versuchen diese Erwartungen zu stabilisieren, da sie geronnene Komplexitätsreduktion sind. Wer mag sich auch nur vorstellen, dass täglich sich die Regeln des Straßenverkehrs ändern würden und man erstmal beim Frühstück sich informieren müsste, wie man zu radeln hat.

Mit einem gewissen Recht kann man sagen, die Summe aller Erwartungen macht die „Identität“ eines Systems aus. Also nicht sein (feststehendes) Wesen, sondern gebildete und damit prinzipiell veränderbare Erwartungen an die Umwelt und (!) an sich selbst. Veränderungen bestehen daher immer in der Veränderung der selbsterzeugten Erwartungen („Brauch ich wirklich Lob vom Chef?“, „Muss es immer nach meinem Gerechtigkeitsempfinden ablaufen?“, „Ist das Controlling wirklich unersetzlich?“, „Müssen wir wirklich bei allem Konsens haben?“). Werden Handlungen/Entscheidungen verändert, die Erwartungen aber nicht, werden auch veränderte Handlungen/Entscheidungen nicht die gewünschten Ergebnisse liefern!