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Entscheidungsprämisse: Programme

Luhmanns Entscheidungsprämisse ‚Programme‘ lässt sich den Leitprozessen ‚Gegenwartsbehandlung‘, ‚Entscheidungsorientierung‘ und ‚Vernetzung‘ zuordnen.

Mit dem Wort ‚Programm‘ meint Luhmann zweierlei:

  1. Zum Ersten sind Regeln gemeint, die bestimmen, dass im Fall der Situation A die Reaktion/Handlung B (nicht) geschehen soll, also etwa: „Wenn der Kunde anruft, geht Stelleninhaber XY ans Telefon und nimmt in der Weise YZ die Bestellung auf.“ In großen Organisationen gibt es Abertausende solcher Regeln. Diese Regeln bestimmen, was verknüpft und entkoppelt wird (Leitprozess Vernetzung). Wer diese Regeln nicht im Grundsatz akzeptiert, wird sich in der Organisation meist nicht lange als Mitglied halten können oder wollen.
  2. Zum anderen gibt es Regeln, die nicht auf Anlässe wie oben reagieren, sondern sich auf Zwecke oder Ziele beziehen: „Wir steigern in diesem Jahr in unserer Region die Verkaufszahlen um 15%.“ oder „Wir erhöhen die Kundenzufriedenheit bei unserem Produkt XY um 10%.“  Jede Organisation gibt sich also Ziele, die sich auf Zweck im Innen oder Außen beziehen können.

Beide Arten von Programm brauchen jedoch auch kontinuierlich Entscheidungen, ob die Regel angewandt wird bzw. eine Ausnahme notwendig ist. Und diese Entscheidung (Leitprozess Gegenwartsbehandlung) kann offiziell und formal geregelt sein oder inoffiziell und informell situativ oder grundsätzlich entschieden werden. Bei diesen Formulierungen ahnt man schon, welches komplexes Ineinanderwirken in Organisationen sich ausformen muss, um Komplexität angemessen zu reduzieren (und damit andere Komplexität zu schaffen).