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Drohend

Drohungen spielen in Konflikten – vor allem aber nicht nur im fortgeschrittenen Zustand – eine große Rolle. Die Kommunikationsform „Drohung“, setzt darauf, in Zukunft den Konfliktpartner zur Unterwerfung oder Selbstaufgabe zu motivieren. Im Konflikt geht im Machtmodus der Glaube daran verloren, dass der jeweils andere sich durch Argumente zugänglich zeigt und verhandeln will. Das Konfliktsystem entwickelt so eine symmetrische, hoch integrierte Struktur, in der sich alle Parteien zunehmender Unsicherheit ausgesetzt sehen, die sie wiederum durch höheren Sicherheitsbedarf glauben, bearbeiten zu können. Die Androhung von bedrohlichen Nachteilen soll dazu führen, dass für den Konfliktpartner die Vermeidung dieser Nachteile attraktiver ist als das Verfolgen der eigenen Interessen („Wenn Du nicht ins Bett gehst, dann gibt es kein Taschengeld im nächsten Monat!“).
Drohungen sind riskant, da sie die eigene Glaubwürdigkeit im Konflikt aus Spiel setzen für den Fall, dass man sie nicht wahr machen kann oder will. Sie setzen daher Durchsetzbarkeit und –willen voraus. Auch deshalb bindet das Konfliktsystem durch Drohungen die Parteien dadurch aneinander. Zudem richten sie die Aufmerksamkeit weg von der Vergangenheit, die falsch lief, hin zu einer Zukunft, die eintreten soll.
Der Machtmodus „drohend“ kann laufende Konflikte verschärfen. Darum wird er überwiegend kritisch gesehen. Allerdings gibt es bei etablierten, konfliktären Ungleichgewichten für die Unterworfenen oft Drohmöglichkeiten (z.B. Streiks in allen Varianten inkl. Hungerstreiks), die notwendig und funktional sind. Sie schaffen in solchen Konstellationen oft überhaupt bei den „Mächtigen“ die Bereitschaft, im Machtmodus auf den Pol „verhandelnd“ zu wechseln.