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Der blinde Fleck

Wer etwas weiß, etwas für wahr hält, etwas für erstrebenswert hält, der beschäftigt sich nicht unbedingt auch immer damit, wie und woraufhin ihn das blind macht. Im Gegenteil, die übliche Annahme des Alltagdenkens ist ja, dass man je mehr man weiß, desto kleiner wird der Bereich des Nicht-Wissens. Aber genau das, gilt es zu hinterfragen. Denn – um auf etwas zu schauen, es zu erforschen, es zu untersuchen, muss und darf ich mich nicht mit der Frage beschäftigen, was ich damit nicht mehr sehen kann.

Beispiele:

  • Man nutzt ein Controlling-System, das Zahlen aus der Vergangenheit aggregiert – und beschäftigt sich nicht mehr mit der Frage, ob sich damit Entscheidungen für eine deutlich andere Zukunft begründen lassen.
  • Man schafft Hierarchie und beschäftigt sich mit der Frage der Verbesserung von Führungskräften, aber nicht mehr mit der Frage, ob es Alternativen zur Hierarchie gibt.
  • Man unterscheidet zwischen richtig und falsch, um das Richtige zu tun, und wird vielleicht blind dafür, dass in allem Richtigen etwas Falsches ist und umgekehrt.

Das ist keine Kritik, sondern eine Beschreibung: Wissen macht immer (auch) blind für das, was mit dem gewählten Vorgehen (=Unterscheidungen) eben nicht zu erfassen ist. Daraus folgt: „Jeder ist sich selbst der Fernste!“ (Nietzsche).

Darum braucht es – insbesondere wenn die Umweltverhältnisse sich ändern – eine Reflexion darauf, was das System durch seine eigenen Selbstverständlichkeiten unsichtbar für sich selbst gemacht hat. Das ist die Funktion von Beratung, die nicht Optimierung des Bestehenden, sondern Veränderung anstrebt.