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Beobachung informeller Entscheidungen

Für das Verständnis einer Organisation muss man immer auch die Frage stellen, wie mit informellen Entscheidungen umgegangen wird bzw. wie diese in und außerhalb der Organisation beobachtet und bewertet wird. Es gibt  für informelle Entscheidungen viele Namen und viele Formen: Günstlings-, Zöglings- und Vetternwirtschaft, Seilschaften, Bestechung, Zuwendungen, Erpressung, Patronage, (Neben-)Absprachen, Preiskartelle, Hinterzimmertreffen, Vorabsprachen, politischer Dialog, Kuhhandel, Unter-der-Hand-Abmachungen – nur um einiges zu nennen. Ob man manches davon dann Korruption oder politische Geschicklichkeit nennt, ob man es normal findet, dass der Studienfreund vom Chef den Auftrag bekommt oder ob dies einen Skandal auslöst – dies ist zeit-, kultur- und normabhängig.

Eine wichtige Differenzierung besteht an der Stelle darin, ob die informellen Einfluss von innerhalb oder außerhalb der Organisation erfolgen. Es macht einen Unterschied, ob es sich um externe Interessen – etwa Interessen von Eigentümerfamilien, Politik, Behördernvertreter,Mafia, Shareholder, etc. – oder interne Interessen – etwa andere Abteilungen, Hierarchie oder Arbeitnehmervertreter – handelt.

Allein an den Auflistungen kann man schon erkennen, das es eine vollkommen transparente und formalisierte Organisation, die keinen Spielräume hätte, informell Entscheidungen zu treffen, nicht existenzfähig wäre. Gleichzeitig ist aber auch erkennbar, dass wenn es keine öffentlichen Beobachtungsgefahr und damit Aufdeckungsgefahr gäbe, die formale Seite der Organisation zum Erliegen kommen würde. Somit ist auch dieses Phänomen nicht objektiv normierbar, sondern braucht kluge Entscheidungen.