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Beobachter 2. Ordnung

Ein ebenso wichtiger wie häufig falsch verstandener Begriff ist ‚Beobachter 2. Ordnung‘. Oft wird er so verstanden, dass ein zweiter Beobachter beobachtet, WAS ein anderen (erster) Beobachter beobachtet.  „Ich sehe, dass Du eine Sahnetorte beim Bäcker gewählt hast!“. Das ist aber nur eine weitere Beobachtung 1. Ordnung (= WAS).

Eine Beobachtung 2. Ordnung beobachtet hingegen das Beobachten des Beobachters, nicht den Inhalt seine Beobachtung (im obigen Beispiel die Wahl der Torte). Erst wenn man auf den Beobachter schaut, kann nicht nur die bloße Tatsache der Wahl (WAS = Torte!) registriert werden. Sondern man rekonstruiert in einer Beobachtung 2. Ordnung, WIE es zu dieser Wahl kam: Welcher „Teil“ im Tortenkäufer hat diese Entscheidung getroffen (Der Genussvolle oder Gewichtsbewusste?) , aufgrund welcher Motive (Vorfreude oder Gewohnheit?), welche Alternativen standen zur Wahl (Brot, Schokolade, Eis?) und welche kamen erst gar nicht in Betracht (Knäckebrot oder ohne Kauf den Laden verlassen?).

Eine solche Beobachtung 2. Ordnung kann natürlich auch ein Selbstbeobachtung im Tortenkäufer selbst sein. Diese Selbst-Reflexion hat den Vorteil, dass innere Motive zum Teil unmittelbar zugänglich sind, und hat den Nachteil, dass vielleicht bedeutsame innere Motive im Unbewussten (=Nicht-Beobachtbaren) sich versteckt halten.   Eine Fremdbeobachtung des Tortenkäufers hat den Vorteil, ausgeschlossene Alternativen oder unbewusste Motive erkennen zu können, weil man meist nicht die gleichen blinden Flecken hat. Der Nachteil ist, dass man keinen unmittelbaren Zugang zum Innenleben hat, sondern auf eigene Beobachtungen und Kommunikation angewiesen bleibt.