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Verstehenszirkel

Jedes Verstehen beginnt immer wieder neu. Denn Verstehen verändert den psychischen Prozess und bedarf daher neuen Verstehens. Etwas, das bislang plausibel war, kann unplausibel werden und bedarf einer neuen Verplausibilisierung oder darf im Unplausiblen verweilen. Konkret: Jemand wünscht sich inbrünstig, endlich vom Vater für seinen beruflichen Erfolg anerkannt zu werden (plausibel, aber dysfunktional). Er versteht, dass das Festhalten an diesem Wunsch der Weg ist, wie er sich selbst abhängig und klein hält (plausibel und funktional). Der weitere Erforschungsprozess zeigt, dass er Angst bekommt, wenn er sich von äußerer Anerkennung unabhängig macht und sich auf sich selbst verlässt. Diese Angst ist nun wieder zunächst unplausibel. Daher ist jedes Nachher im Beratungsprozess ein neues Vorher. Diese Form der Verstehenstechnik – die nie etwas festschreibt, die weiß, dass sie sich selbst überholt, wenn sie richtig war, die immer auf den Moment, den spezifischen Aspekt und den spezifischen Klienten zielt und nicht verallgemeinert – wird dem prozessualen Geschehen der Psyche gerecht.



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