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Produktnormen und Professionalitätsstandards

Die Leitunterscheidung Qualitätsfokus „versteckt“ sich oft im Produkt oder der Dienstleistung, in der Funktion oder in den Professionalitätsstandards. So fällt es nicht mehr so recht auf, dass hier eine implizite Entscheidung vorliegt und dass dies starke Folgen für die Form der Organisationen, des Bereichs oder der Abteilung hat. Man sieht es aber an den Gebäuden, an der Einrichtung der Büros, an der Kleidung der Mitarbeiter, an der Art der Kommunikation, an der Atmosphäre,  schlichtweg an allem: Die Entscheidung für Gründlichkeit oder Schnelligkeit atmet aus jeder Pore! So wählt das Produkt auch die Mitarbeiter aus: „Hektiker“ als Uhrmacher? „Pedanten“ als Onlineredakteure?

Gegen die Logik der Profession oder des Produkts im Leitprozess Qualitätsfokus zu handeln, ist in Organisationen fast unmöglich. Der Politiker (schnell!) verspricht nach der Flut „rasche Hilfe“ und das Landratsamt (gründlich!) kann dieses Versprechen mit dem ihm eigenen bürokratischen Ablauf nicht einlösen. Alles muss geprüft werden! So können schwierigste Situationen entstehen: Ein Medikament muss lange und gründlich getestet werden, bis es eine Verkaufszulassung bekommt. Das sieht jeder ein! Wirklich jeder? Auch derjenige, der vielleicht durch das Medikament länger leben würde und es daher dringend schnell braucht, weil er sonst nicht mehr lebt?

Bei Veränderungsprojekten gilt es immer zu bedenken, welchen Einfluss alleine die Profession, die Funktion und das Produkt auf das Verständnis von Qualität und damit auch auf alle anderen Leitprozesse haben.