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Problemerzeugung

In der Regel ist der Anlass für ein Coaching, dass der Coachee mit irgendeinem Aspekt seines beruflichen Lebens nicht zurechtkommt. Er fühlt sich als Opfer von Umständen in der Umwelt (Vorgesetzte, Kollegen, Mitarbeiter, Organisation etc.) oder von Umständen in seiner Innenwelt (Entscheidungsschwierigkeiten, Konflikte, Sinnverlust, Burnout etc.). Meist versucht er dann diese „Probleme“ zu lösen oder zu bewältigen. Der Problemlöser nimmt die Verantwortung für die Existenz des Problems nicht wahr, er findet es vor. Solange man aber nicht wahrnimmt, wie man selbst das Problem herstellt, werden alle Lösungsversuche scheitern oder an der Oberfläche bleiben. Wer würde es für geschickt erachten, sich möglichst gut aus dem Schlamm herausarbeiten und sich gut von Schlamm säubern zu lernen, wenn man andererseits ohne es zu merken ständig in die Schlammgrube hineinspringt?

Die existentielle Anthropologie sieht den Menschen nicht als Opfer von Einflüssen und Vererbung, sondern als ein Wesen, das seine eigenen Antworten auf die Umweltreize findet. Diese Antworten sind oft nicht günstig und sind oft als Reaktionen auf sehr destruktive Umwelten entstanden. Aber sie liegen in der Verantwortung der jeweiligen Person. Damit ist die Art, wie man die Welt wahrnimmt und sie gestaltet, wie man auf die Umwelt antwortet und sie prägt, nicht Schicksal, sondern selbst erzeugt und daher veränderbar. Diese Sicht der Selbstverantwortlichkeit ist mittlerweile von vielen Ansätzen und Wissenschaften (Neurobiologie, Systemtheorie, Verhaltensforschung, Psychotherapieforschung) bestätigt. Wenn man den Menschen als in jeder Hinsicht selbstverantwortlich ansieht, dann müssen sich alle Vorgehensweisen im Coaching daran prüfen lassen, ob sie auf der Selbstverantwortung des Coachees gründen bzw. diese stärken. Denn um mit C.G. Jung zu sprechen: „Was du nicht bewusst berührst, geschieht Dir als Schicksal!“ Verantwortung ist demnach hier kein ethischer Begriff, sondern ein existentieller. Es erschließt sich von selbst, dass dieser Gedanke gerade für Führungsfunktionen in Organisationen von immenser Bedeutung ist.



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